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Stefan Hartmann
Presse/Öffentlichkeitsarbeit
Aktuelles
Podcasts über Wissenschaft
Mit Unterstützung der Stadt Bonn entsteht derzeit eine Podcast-Reihe. Der erste Podcast zur Kryo-Elektronenmikroskopie ist fertig. Weitere Podcasts werden bald folgen.
[mehr]„Strukturen – Visuelle Reize und Signale“
Eröffnung einer Gemeinschaftsausstellung im Forschungszentrum caesar am Sonntag, den 6. Mai 2012, 11.00 Uhr
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- Molekulare Neurosensorik
- Chemische Biologie Neurodegenerativer Erkrankungen
- Neuroimmunologie
- Elektronenmikroskopie und Analytik
- Mikrosystemtechnologie
- Highlights aus der Forschung
- caesar
- Veranstaltungen

Praktikumsberichte von Schülern
Hier berichten Schüler, wie ihnen ihr Praktikum in der Forschung gefallen hat, was sie alles kennenlernen durften und welche Tipps sie für zukünftige Praktikanten haben.
Ronja Landeck (24.10.-04.11.2011)

Mein Praktikum bei caesar hat alles andere als normal angefangen und hat mich total überzeugt!
Als erstes war meine Bewerbung dafür sehr kurzfristig, weil erst ca. 3 Wochen vorher klar war, dass die eigentlichen Teilnehmer diese Chance dort ein Praktikum zu machen nicht wahrnehmen konnten. Da war ich sehr froh mal keinen Urlaub in der Sonne gebucht zu haben, denn das Praktikum hat das auf jeden Fall getoppt. Das „frühe" Aufstehen hat uns, Henrik und mir, dann auch nichts mehr ausgemacht. Den ersten Tag durften wir schon mit Frau Dr. Annukka Mirjami Aho-Ritter im Labor verbringen. Dort arbeiteten wir mit Gehirnen von Mäusen oder eher gesagt an deren Cerebellum (der Teil des Gehirns der u. a. die Gerüche verarbeitet). Nachdem wir den ganzen Tag Proben und Lösungen hergestellt und berechnet hatten, diese genau vermischt, z. T. wieder aufgetrennt und wiederum gemischt hatten, waren wir froh, dass der Nachweistest für bestimmte Proteine in dem Cerebellum recht erfolgreich war.
Es war sehr aufregend, nicht einfach nur irgendwelche „Praktikantenaufgaben" zu machen sondern wirklich mit den Wissenschaftlern Versuche zu machen, die ihnen in ihrer Doktorarbeit oder wissenschaftlichen Arbeit weitergeholfen haben. So waren wir froh zu hören: „ Ihr habt mir viel Arbeit abgenommen, Danke!"(Dr. Astrid Müller)

Und dabei haben wir auch noch superviel gelernt bzw. einfach die theoretischen Versuche, die wir in der Schule schon kennengelernt haben, mal selbst durchgeführt (z. B. DNA-Analyse, s. rechts). Durch die Einblicke in die verschiedenen Arbeitsbereiche war das Praktikum eine gute Entscheidungshilfe in Bezug auf das bald nahende Studium. So habe ich mich für Biochemie entschieden.
Stark beeindruckt hat mich auch die Arbeit an den verschiedenen Mikroskopen, die wir nach kurzer Einführung selbständig bedienen durften. Es ist schon etwas Besonderes, auf 1 nm genau eine Probe - wie z.B. einen Goldtropfen - zu untersuchen.
Dadurch, dass wir mittags meist zusammen mit den Wissenschaftlern in der leckeren Kantine gegessen haben, haben wir so nicht nur über die Arbeit an sich, sondern auch viel über das Leben als Wissenschaftler erfahren. Dabei ging es um Familie oder Kariere, oder beides? Freizeit, Arbeitsplätze und sonstige Erfahrungen.
Abschließend kann ich sagen, dass ich gerne noch länger dort Praktikum gemacht hätte! Ich kann es für jeden, der sich für Biologie, Biochemie oder auch Biotechnologie interessiert, weiterempfehlen. Dort ist man wirklich gut aufgehoben. Ich bin froh, dass ich die Chance hatte, dort ein Praktikum zu machen. Danke an alle die sich Zeit für uns genommen haben und natürlich besonders auch an Stefan Hartmann, der alles koordiniert hat.
Carolina Lopez-Torres (25.07.-05.08.2011)

Mein Praktikum in den Sommerferien am caesar
Ende der Osterferien erhielt ich die freudige Nachricht: Ich war für ein Schülerpraktikum am caesar (center of advanced european studies and research) angenommen worden!
Da ich dort bereits ein "caesarium", einen sehr interessanten und informativen Vortrag über die Krankheit Alzheimer, besucht hatte, hatte ich schon eine ungefähre Vorstellung von der Arbeit des Institutes. Trotzdem konnte ich mir noch nichts Genaueres unter dem Begriff „neuronale Forschung“ vorstellen. Gespannt was mich erwarten würde, stand ich also ersten Montag der Sommerferien um 9:30 am Eingang, wo Stefan Hartmann, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, der das Praktikum organisiert hatte, bereits wartete. Als erstes wurden wir durch das Gebäude geführt, welches riesig ist und aus drei sehr modernen Komplexen besteht.
Unsere erste Führung ging durch den „Reinraum“, welcher nur mit einem speziellen Anzug, Schuhüberziehern und Kopfhaube betreten durften. Die Besonderheit an diesem Raum ist, dass sich, anders als in unserer normalen Umgebungsluft, hier nur maximal 10 Staubkörner pro m³ befinden. Dafür sorgen Luftpumpen, welche Strömungen und Söge erzeugen, um den Staub zu entfernen. Diese saubere Arbeitsatmosphäre ist nötig, um besondere Wafer (dünne Metallplatten mit besonderen Beschichtungen) herzustellen.
Bei der Sicherheitseinweisung am folgenden Tag lernten wir die wichtigste Laborregel: Bei allen Arbeiten den gesunden Menschenverstand einsetzen, bei Zweifeln vor Beginn der Arbeit nachfragen. Dies zeigt, dass Laborarbeit immer erfordert, aktiv mitzudenken. Das merkte ich nicht nur daran, dass viele Substanzen fast gleich aussehen und so die Beschriftungen genau beachtet werden müssen, sondern auch an den Mengenkonzentrationen der zu vermischenden Substanzen, die wir immer selbst ausrechnen mussten.
Die ersten und letzten Tage verbrachten wir in zwei verschiedenen Arbeitsgruppen der Abteilung „Molekulare Neurosensorik“, die sich unter anderem mit den Lockstoffen und deren Funktionen der Eizellen für die Spermien der Seeigel beschäftigen. Dies ist jedoch nur ein kleiner Teil der Fragestellung wie Rezeptoren auf Reize reagieren. Anders als ich es erwartet hatte, durften wir auch sehr viel selber machen. An einem Tag setzten wir in einer Petri-Schale eine E. coli-Bakterienkultur an, die sich bis zum nächsten Tag so stark und schnell vermehrt hatte, dass die Flüssigkeit in einem 5-Liter-Fermenter, die am Vortag klar gewesen war, nun trüb war. Im Labor lernte ich vor allem, dass es sehr wichtig ist, sauber und sorgfältig zu arbeiten, da sonst nicht nur eine Kontaminationsgefahr für einen selber, sondern auch für die Zell- und Bakterienkulturen besteht. Ebenfalls sehr interessant war es zu sehen, wie verschiedene Methoden, wie die Gelelektrophorese oder ein Fluoreszenznachweis, die ich vorher nur theoretisch im Biologieunterricht kennengelernt hatte, im Praktischen aussahen. Dank der lockeren Atmosphäre im Labor und den Mitarbeitern, die sehr auf uns eingingen, war es auch überhaupt kein Problem sehr viele Fragen (die ich durchaus hatte) von Verständnis, über Biologiestudium, bis hin zu Fragen zu Berufsaussichten als Wissenschaftler zu stellen.
Zwei weitere Tage verbrachten wir in der Abteilung Elektronenmikroskopie. Anders als bei einem Lichtmikroskop, bei dem „nur“ Strukturen bis zu 20nm dargestellt werden können, kann ein Elektronenmikroskop sogar Atome erfassen. Dies funktioniert so, dass ein zu einem Spot fokussierter Strahl über eine zu untersuchende Probe gerastert wird. Der Elektronenstrahl wechselwirkt mit der Probe, und die entstehenden Signale können mit verschiedenen Detektoren gemessen werden. So entsteht ein sehr genaues Bild der Probe. Da die Proben leitfähig sein müssen, beschichteten wir unsere vorher präparierten Proben (eine Zecke, einen Schmetterlingsflügel, ein Tabakblatt und ein Ameisenbein) mit einer nm-dünnen Schicht aus Gold.
Dass in der Wissenschaft nicht immer alles so läuft wie geplant, bemerkten wir beim „Sputtern“ (beschichten mit Gold), da das Gerät nicht ganz so wollte wie wir. Aber auch hier genügten ein paar Handgriffe eines Profis am Gerät, um es wieder einwandfrei zum Laufen zu bringen. Zusätzlich zum Rasterelektronenmikroskop (REM) durften wir auch mit dem Transmissionselektronenmikroskop (TEM) arbeiten. Bei diesem wird die Probe, anders als beim vorherigen, nicht nur mit dem Elektronenstrahl bestrahlt, sondern durchstrahlt.
Ein besonders spannender Teil des Praktikums (welcher freiwillig und nicht gerade für jeden geeignet war) war die Perfusion der Mäuse. Was sich zunächst noch recht harmlos anhört, ist eine aufwändige Prozedur, um sogenannten „Knock-out“- (Mäuse, bei denen ein spezielles Gen verändert bzw. ausgeschaltet wurde) und Kontroll-Mäusen das Gehirn zu entnehmen. Zuerst wurde das Blut mit einer Kochsalzlösung aus dem Blutkreislauf der anästhesierten Maus gewaschen. Anschließend wurde ein Fixativum (welches den Körper erhärtet) über den Kreislauf eingeführt. Dies führte dazu, dass das Hirn, das zur Untersuchung benötigt wird, konserviert wurde. Nachdem dieses der Maus entnommen wurde, wurde es in Sucrose-Lösung eingelegt.
Weitere Versuche waren die Isolierung von Memranproteinen aus HEK-Zellen (human embryonal kidney) und die immunzytochemische Charakterisierung der HCN-Expression in diesen Zellen. Beim ersten Versuch betrachteten wir die lebenden Zellen zunächst unter dem Lichtmikroskop und ernteten sie daraufhin. Anschließend isolierten wir die Membranproteine. Um zu sehen, ob und wie viele Proteine durch die Zellen exprimiert worden waren, bestimmten wir die Proteinkonzentration mittels eines BCA-Tests. Beim zweiten Versuch betrachteten wir ebenfalls erst mal die Zellen unter dem Mikroskop. Danach „wuschen“ wir sie mit verschiedenen Substanzen und gaben zwei Antikörper auf die Zellen. Diese Antikörper sollten sich nun an verschiedene Proteine setzen und diese für das Mikroskop farbig markieren. Um diese farbige Markierung erkennen zu können, benutzten wir das konfokale Laser-Scanning-Mikroskop, unter dem die Farbstoffe an den Antikörpern leuchteten.
Mein Fazit: Man braucht kein Chemie- oder Physikgenie zu sein um die einzelnen Zusammenhänge oder Versuche zu verstehen, obwohl ein Biologie-Leistungskurs bestimmt von Vorteil ist. Und obwohl das „frühe“ Aufstehen mir in den Ferien manchmal schwerer als gewöhnlich fiel, hatte ich (als bekennende Langschläferin) jeden Abend das Gefühl, dass sich das frühe Aufstehen wirklich gelohnt hatte. Ich persönlich habe in diesen Wochen sehr viel gelernt! Besonders für Biologie-Interessierte kann ich das Praktikum sehr empfehlen, da man die Möglichkeit bekommt direkt am Alltag eines Wissenschaftlers teilzunehmen. Und ich weiß nun: das will ich werden!
Vielen Dank an Stefan Hartmann, der uns ein tolles Programm ermöglichte, und alle anderen caesar-Mitarbeiter, die sie sich sehr nett um uns gekümmert haben!
Samantha Schmaul und Clara von Randow (18.04.-29.04.2011)
Tage voller Überraschungen -
oder warum durchsichtige Flüssigkeiten die Welt bedeuten können
Das Faszinierende während Claras und meines Praktikums in den zwei Osterferienwochen bei caesar war vor allem die Zeit, die wir eigenständig im Labor mitarbeiten durften. Zwei Fast-Studenten in einem Labor, das mit allem ausgestattet ist, was das Herz begehrt. Das Beste daran? Wir bekamen die Möglichkeit genau damit zu arbeiten, was ein Forscher z.B. während seiner Doktorarbeit, als Handwerkszeug tagtäglich benutzt. Diese Erfahrungen gingen vom einfachen Pipettieren über das Zentrifugieren von hergestellten Lösungen, hin zum Gießen von Agarosegelen, um DNS-Sequenzen laufen zu lassen und somit aufzutrennen oder simples, aber mindestens genauso essentielles Spitzenstecken.
Ein wirkliches Highlight dabei war die Zeit im Labor der Molekularen Neurosensorik. Um zu überprüfen, ob die stabilen Linien einer Zellkultur wirklich so stabil waren und die zugegebene DNS-Sequenzen tatsächlich im zelleigenen Strang eingebaut worden waren, mussten wir die Zellen in vielen einzelnen Schritten erst von ihrem Medium reinigen, dann zum Platzen bringen, die nicht benötigten Teile abzentrifugieren und -pipettieren, um schließlich ein bestimmtes Gel zu gießen, damit am Ende die gesuchten Proteine auch eine Chance hatten gefunden zu werden. Während des ganzen Prozesses durften wir unter Anleitung sehr vieles selber machen und konnten alle möglichen Fragen stellen, um zu erfahren, was auf molekularer Ebene, vor dem menschlichen Auge verborgen, geschah.
In einem anderen Versuch haben wir eine bestimmte Gruppe von Ionenkanälen in Zellmembranen mit Hilfe von zwei verschiedenen Antikörpern und Farbstoffen gefärbt und konnten diese am Ende unter dem konfokalen Laser-Scanning-Mikroskop bestaunen. Das Ganze in so guter Auflösung, das die Zellkerne unglaublich gut sichtbar waren und selbst noch kleinere Details faszinierend genau zu erkennen waren. Die Bilder aus dem Schulbiologieunterricht kommen einem im Vergleich sehr klein und unbedeutend vor. Wo man früher mühsam versucht hat Zellen zu erkennen, gab es hier Zellkerne und Ansammlungen von Ionenkanälen zu beobachten. Was wirklich deutlich wurde ist, das einfach so unbegreiflich Vieles auf molekularer Ebene abläuft, und der Mensch eigentlich nur Instrument hierfür ist. Durchsichtige Lösungen sind auf gar keinen Fall zu verkennen, es kann sich hierbei nämlich sowohl um Antikörper, Enzyme, DNA oder doch einfach nur Wasser handeln. Welche durchsichtige Flüssigkeit in welche andere, wiederum durchsichtige, gegeben wird, bestimmt die Ergebnisse der gesamten Versuchsreihe. Weiteres Highlight war der spontan organisierte Besuch in der Zellkultur, in der wir unter einer sterilen Bank gearbeitet und Zellen geerntet haben. Hier wurde sehr deutlich, wie bedeutend „ein ruhiges Händchen“ und ein langer Arm sein können.
Auch die weiteren Abteilungen (Elektronenmikroskopie und die Arbeit im Reinraum) haben andere, vorher unbekannte, Berufsfelder aufgezeigt und uns beiden sehr geholfen, uns über die eigenen Studienwünsche im naturwissenschaftlichen Bereich im Klaren zu werden. Es wurde sehr viel erklärt, in manchen Arbeitsgruppen durfte man selbst mehr mitarbeiten als in anderen, manches war ausschließlich im Labor, an anderen Tagen waren wir nur im sogenannten „Bunker“ bei der Technik und den riesigen Mikroskopen unterwegs. Doch eines hatten die Einblicke allesamt gemeinsam: es wurde deutlich, wie die Forschung tickt, dass auch mal nicht alles auf Anhieb so klappt, wie man gerne möchte, oder dass die Experimente oftmals ihren ganz eigenen Zeitplan haben, und dass die Arbeit besonders umfangreich ist.
Für Interessierte ist das eine einmalige Chance ein paar alltagsnahe Eindrücke zu gewinnen und jeder, der Interesse am Lernen und Hinterfragen letzten Endes unseres Lebens hat, ist hier bestens aufgehoben - auch ohne große Praxiserfahrungen, denn der explizite Umgang mit den Materialien und Gerätschaften wird ausführlich erklärt. Der Vorteil des Praktikums bei caesar gegenüber herkömmlichen Praktika in der Forschung, ist die bunt gefächerte Vielfalt an Einblicken, die geboten wird. Natürlich wird man sicherer, wenn man mehr Zeit in einer Abteilung verbringt, aber so bekommt man viele durchaus unterschiedliche Forschungswege, -ansätze und potenzielle Arbeitsumfelder geboten, und es fällt auf wie viele Disziplin in einem Forschungsinstitut und einem Forschungsstrang/-aspekt zusammenkommen.
Die Atmosphäre mit den Mitarbeitern war stets angenehm, Vorwissen war natürlich oftmals von Hilfe, aber Unklares wurde bereitwillig auch im Detail und verständlich erklärt, sodass wir es wirklich nur Jedem, der über ein naturwissenschaftliches Studium nachdenkt, raten können, diese Möglichkeit bei caesar wahrzunehmen.
Kristin Pausewang (11.10.-22.10.2010)

Ferien in „caesars-Welt“
Meine Herbstferien sind um und ich bin leider schon wieder zurück – zurück aus der Zukunft. Auf dem Programm stand das Eintauchen in caesars-Welt, Wechsel der Perspektiven, die Möglichkeit, Wissenschaftlern über die Schulter zu schauen und ihnen zur Hand zu gehen. Für mich waren es absolut spannende und aufregende Ferien. Heute war mein letzter Tag und ich kann sagen, dass sich der Ausflug in die Zukunft – das Praktikum bei caesar – auf ganzer Linie gelohnt hat.
Wir, das sind Kristina und ich, beide im letzten Schuljahr vor dem Abitur, konnten im Rahmen des Praktikums in verschiedenste Bereiche von caesar hineinschnuppern und dabei durften wir (fast) immer selber arbeiten, anstatt „nur“ zuzuschauen. Wir haben drei von vier Abteilungen (Molekulare Neurosensorik, Chemische Biologie Neurodegerativer Erkrankungen, Elektronenmikroskopie und Analytik) erkundet, d.h. dabei einen Ausschnitt von den Arbeitsweisen der jeweiligen Arbeitsgruppe kennengelernt.
Am ersten Tag haben wir eine Führung durch das Gebäude von caesar und eine Laboreinführung bekommen. Mein erster Eindruck – hoffentlich verliere ich während des Praktikums nicht die Orientierung in dem verwirrend großen Gebäude. Aber schon nach meinem ersten Botengang – Eis holen (leider kein Speiseeis!) – konnte diese Befürchtung ausgeräumt werden. Interessant war es, die verschiedenen Labore kennen zu lernen – unbekannte High-Tech-Geräte, Notduschen (ein Duschkopf direkt über der Tür, d.h. mitten im Raum), Augenduschen, Zebrafische und vor allem lauter nette Mitarbeiter.
Wir haben viel experimentiert, pipettiert (im µl-Bereich, die Mengen waren oft mit bloßem Auge kaum erkennbar!), gewogen und gewartet (auf Proben, die inkubiert oder zentrifugiert wurden). Diese Aufgaben fielen in fast jedem Forschungsbereich an. Zu den Grundfertigkeiten gehörte es, Proben zu präparieren, so dass sie später für weitere Anwendungen genutzt werden konnten. Am besten fand ich, dass wir nicht nur zuschauen, sondern auch selbst experimentieren durften: High-Tech-Diagnostik und Analytik wurden uns erklärt und dann durften wir selbst damit arbeiten: HPL-Chromatograph, Elektronenrastermikroskop, Transmissionselektronenmikroskop und noch mehr. Diese Mikroskope haben kaum noch Ähnlichkeit mit den Lichtmikroskopen der Schule. Z.B. sind sie an einen Computer angeschlossen, so dass sie darüber gesteuert werden können und man sich auf mehreren Bildschirmen die stark vergrößerten Bilder der Proben anschauen konnte. Bemerkenswert und für einen Schüler völlig ungewohnt war es, dass sich die caesar-Wissenschaftler viel Zeit genommen haben, uns in das wissenschaftliche Arbeiten einzuführen, die Labortechnik zu erklären und uns zum Selber-tun anzuleiten.
Wir haben fast immer morgens um 9.00 Uhr begonnen, das Ende war von den Experimenten, dir wir durchgeführt haben, abhängig. Je nachdem, ob der Versuch drei oder fünf Stunden in Anspruch nahm, waren wir einmal um 13.00 Uhr, ein anderes Mal aber auch erst um 17.30 Uhr fertig. Aber alle Tage hatten gemeinsam, dass man nach der „Arbeit“ gut erschöpft war. Als sitzverwöhnter Schüler war ich es nicht gewohnt, den ganzen Tag im Labor zu stehen.
Da der Arbeitstag bis in den Nachmittag herein reichte, waren Kristina und ich jeden Mittag zusammen mit unseren „Kollegen“ in der Kantine essen. Das waren oft sehr lustige und immer auch interessante Mahlzeiten, da wir uns viel mit den Wissenschaftlern unterhalten konnten – über das Studium, den Berufsalltag, die einzelnen Forschungsaufträge etc. Wir wurden sehr nett in die Runden aufgenommen und immer gab es Neues kennen zu lernen in „caesars-Welt“.
Während der letzten zwei Wochen hatte ich häufig kleine oder auch große Aha-Erlebnisse, wenn ich plötzlich Zusammenhänge zwischen Unterrichtsstoff aus der Schule und der konkreten Anwendung in der Forschung herstellen konnte. Das ist sehr beflügelnd und gibt neuen Schwung zum Lernen.

Ich habe mich für dieses Praktikum beworben, um einen Einblick in die Arbeit eines Naturwissenschaftlers (Biologe, Chemiker, Physiker etc.) zu bekommen. Ich wollte für mich herausfinden, wie die Forschung im Alltag aussieht und ob mir das gefallen könnte. Der Einblick in die Welt der Wissenschaft, die Arbeiten, die wir selbst ausführen durften und auch die Stimmung zwischen den Mitarbeitern haben mir ein sicheres Gefühl gegeben, einen naturwissenschaftlichen Weg in meinem Studium und weiteren Leben gehen zu wollen. Jedem, der mit dem Gedanken spielt, sich bei caesar um ein Praktikum zu bewerben, kann ich nur zuraten. Auch wenn die Vorkenntnisse in einem naturwissenschaftlichen Fach nicht ganz so gut sind (ich hatte z.B. seit der 11. Klasse kein Chemie mehr), kommt man klar. Wenn Unsicherheit besteht, kann man immer nachfragen und sich so weiterhelfen lassen. Mit der Zeit kommt das ehemals angesammelte Vorwissen wieder zurück.
Danke an alle Betreuer und Stefan Hartmann für diese tolle und interessante Zeit.
Sören Künzel (31.05.-11.06.2010)

Ein „gewöhnlicher“ Tag meines Praktikums
Wie jeden Morgen musste ich rennen, um pünktlich um 9:00 Uhr in der Eingangshalle des Forschungszentrums caesar zu sein. Hier wartete bereits Kerstin auf mich, die zweite Praktikantin, mit der ich das Praktikum absolvierte. Schon holte uns Stefan Hartmann, unser Ansprechpartner und Organisator, ab, um uns zu dem Fachbereich zu führen, in dem wir an diesem Tag arbeiteten. Heute ging es in ein Genlabor. Hier sollten wir verschiedene Antikörper testen und miteinander vergleichen.
Bei allen Verfahren, die wir durchführten, wurde uns zunächst die Theorie erklärt: Der Erstantikörper soll sich an ein bestimmtes Protein festsetzen. Er wird daher zu einer Probelösung mit vielen verschiedenen Proteinen hinzugegeben. Anschließend wird ein Zweitantikörper gegen den Erstantikörper zugefügt. Der Zweitantikörper sollte sich an den Erstantikörper festgesetzt haben, sodass man den Protein/Antikörper-Komplex durch eine chemische Reaktion eines Enzyms, das an den Zweitantikörper gekoppelt ist, sichtbar machen kann. Bei unserer Auswertung stellten wir fest, dass der Erstantikörper sich an mehrere Proteine als nur dem Gewünschten festgesetzt hatte, sodass es sich dabei um keinen besonders guten Antikörper handelte. Natürlich half uns ein Mitarbeiter, der uns bei Fragen und Problemen zur Seite stand. Trotzdem mussten wir fast alles selbstständig planen, berechnen und umsetzen. Als Vorlage für diesen Versuch diente uns ein Versuchsprotokoll. Die Herstellung dauerte den ganzen Vormittag und erforderte neben viel Fingerspitzengefühl sehr viel Konzentration, da man bei diesen vielen Vorgängen keinen Fehler machen durfte und vor allem den Überblick behalten musste. Nach getaner Arbeit gingen wir zunächst Mittagessen mit der ganzen Abteilung. Jetzt konnten wir alle unsere Fragen loswerden. Das Verhältnis zu den Mitarbeitern war sehr angenehm und freundschaftlich und schon am ersten Tag wurden wir beide gut aufgenommen.
Am Nachmittag machten wir einen neuen Versuch, bei dem DNA mit einer Gelelektrophorese aufgetrennt werden sollte. Hierzu mussten wir zunächst das Agarosegel ansetzen. Dies geschah in einem extra abgesperrten Bereich mit separaten Schutzhandschuhen, da hierbei gesundheitsschädliches Ethidiumbromid verwendet wird. Nach einigen weiteren Vorbereitungsschritten konnten wir mit der Gelelektrophorese beginnen: Bei dieser fungiert Agarosegel als Sieb für Moleküle. Ein elektrisches Feld wird verwendet, um die negativ geladenen Moleküle durch die Gelmatrix zu ziehen, wobei die kleineren Moleküle sich schneller durch das Gel bewegen können und somit eine Auftrennung nach ihrer Größe geschieht. Unter UV-Licht wurde dann die DNA, in die sich das Ethidiumbromid lagerte, sichbar gemacht. Leider haben weder Kerstin noch ich das entsprechende Foto. Wir haben aber bei einem anderen Versuch das Gel photographiert, sodass man zumindest eine Vorstellung von so einem Gel bekommen kann.
Nach dieser erfolgreichen Auswertung und vielen neuen interessanten Erkenntnissen endete unser Praktikum um 17 Uhr. Kerstin und ich haben uns im Anschluss aufgemacht um Bonn zu erkunden und freuten uns schon auf den nächsten Tag.
Daneben habe ich in dem Praktikum:
- Mäuse getötet und präpariert (freiwillige Aufgabe)
- Proben für das Elektronenrastermikroskop geschnitten
- Mit dem Elektronenrastermikroskop gearbeitet
- Wafer belackt, belichtet, geätzt und dadurch beschichtet
- Einen Calciumpuffer hergestellt
- Darmbakterien genmanipuliert und geklont
- Die DNA von der restlichen Zelle getrennt
- Spitzen gesteckt
- Viele Fragen gestellt
- Mir einen Vortrag angehört
- Gelernt, was Spermien mit Sehzellen gemein haben
- Gut gegessen

Anmerkungen für Interessenten:
An dieser Stelle möchte ich für alle Interessenten des Praktikums anmerken, dass man für dieses Praktikum chemisches Vorwissen braucht, da man sonst nicht in der Lage ist, die richtige Menge an Calcium einzuwiegen oder eine Säure mit einem definierten PH-Wert herzustellen. Abgesehen davon sollte man einige Grundkenntnisse der Biologie haben, da man sonst viele Zusammenhänge nicht versteht. Physikalische Kenntnisse sind gerade bei dem Belacken von Wafern und den Elektronenmikroskopen wichtig, da man ein wenig über Interferenzmuster und Potentialdifferenzen wissen sollte.
Außerdem weist ein zynisch-lachender Totenkopf bei manchen Chemikalien darauf hin, dass diese Stoffe hoch giftig sind, und man den Kontakt mit dem Stoff unbedingt vermeiden sollte. Manche Enzyme kosten mehr als 100-mal so viel wie dasselbe Gewicht in Gold. Bei solchen Stoffen ist ein sorgfältiger Umgang sehr wichtig und man sollte ein wenig Erfahrung mit sich bringen.
Wenn man sich zutraut, dieses Praktikum zu absolvieren und Interesse hat später einmal in der Forschung zu arbeiten, dann sollte man sich auf alle Fälle bewerben, da man durch dieses Praktikum einen tiefen Einblick in die Welt der Forschung erhält, wichtige Fertigkeiten erlernt, neues Wissen aufnimmt und herausfindet, ob die Arbeiten in einem Labor etwas für einen sind.



