Pressemitteilung

Dem magnetischen Kompass auf der Spur – caesar-Forscher Pascal Malkemper mit ERC Starting Grant ausgezeichnet

03.09.2020 um 11:23 Uhr

Bonn, 03.09.2020. Auf diese Versuchstierart trifft man selten in der Forschung – ein kleines, unscheinbares Nagetier, der Ansells Graumull (Fukomys anselli). Allerdings weisen diese Tiere besondere Eigenschaften auf: sie leben in einem unterirdischen Tunnelsystem, ihr Schmerzempfinden ist reduziert, sie sind resistent gegenüber Krebs und besitzen einen Sinn, der uns Menschen fast schon übernatürlich erscheint. Graumulle nehmen das Magnetfeld der Erde wahr. Diese nahezu blinde, unterirdisch lebende Spezies nutzt den exotischen Sinn, um sich in kilometerlangen Tunneln unterhalb der sambischen Savanne zurecht zu finden. Dort verbringen die Tiere ihr gesamtes Leben in absoluter Dunkelheit.

Doch wie genau funktioniert dieser Sinn? Und welches ihrer Organe dient den Graumullen als magnetischer Kompass? Dies sind die zentralen Fragen, denen Pascal Malkemper in seiner Arbeit am caesar und in seinem ERC-Projekt „NeuroMagMa“ (“Neurobiology of Magnetic Orientation in Mammals”, zu Deutsch: „Neurobiologie der Magnetischen Orientierung bei Säugetieren“) auf den Grund geht. Seine Forschungsgruppe verfolgt dabei einen neuartigen Ansatz. Sie versucht, den magnetischen Kompass auf neuronaler Ebene aufzuspüren. „Wir bedienen uns einer Reihe neurobiologischer Techniken, die ursprünglich für Ratten und Mäuse entwickelt wurden“, sagt Malkemper. In diesen Spezies sorgten sie bereits für spektakuläre Erkenntnisse, wie die Entdeckung einer „mentalen Karte“ im Gehirn, die die Position eines Tieres und dessen Orientierung im visuellen Raum speichert. Malkemper vermutet, dass die Graumulle ähnliche neuronale Schaltkreise an die Wahrnehmung der Magnetfelder angepasst haben: „Wir erwarten, Zellen zu finden, die auf Magnetfeld-Richtungen statt visueller Anhaltspunkte spezialisiert sind. Wir möchten die neuronale Struktur eines magnetischen Kompasses bei Säugetieren beschreiben.“

Ehrgeizige Forschung wie diese ist ein komplexes und riskantes Vorhaben. Doch das Potential wurde erkannt und die Arbeit Malkempers durch den Europäischen Forschungsrat in besonderer Weise ausgezeichnet. Durch den „ERC Starting Grant“ stehen Malkemper zusätzliche 1.5 Millionen € in Finanzmitteln für seine wissenschaftliche Arbeit zur Verfügung.Der Europäische Forschungsrat verleiht die „ERC Starting Grants“ jährlich und fördert damit die besten und kreativsten Forschungsprojekte Europas. Die alleinige Voraussetzung hierfür ist wissenschaftliche Exzellenz.

Für Malkemper ist diese Auszeichnung eine große Ehre: „Diese Förderung zählt zu den bedeutsamsten Errungenschaften meiner wissenschaftlichen Karriere. Sie verleiht mir intellektuelle Freiheit und die nötigen Mittel, viele Experimente durchzuführen, von denen ich schon lange träume.“ Seine Forschungsarbeit wird durch den Preis beflügelt: „Der ‚ERC Starting Grant‘ erlaubt es mir, mehr Spezialisten in mein Projekt zu holen. Ich möchte damit ein interdisziplinäres Team aufbauen, um die risikoreichen, aber ebenso erfolgsversprechenden Experimente durchzuführen, die nötig sind, um der Frage, wie der Magnetsinn funktioniert, endlich auf den Grund zu gehen.“


Pressekontakt:
Sebastian Scherrer
Forschungszentrum caesar
Ludwig-Erhard-Allee 2
53175 Bonn
Tel.: 0228 - 9656 139
sebastian.scherrer@caesar.de


Über das Forschungszentrum caesar
caesar ist ein mit der Max-Planck-Gesellschaft assoziiertes Forschungsinstitut für Neuroethologie. Hier untersuchen wir, wie aus der kollektiven Aktivität der Vielzahl miteinander vernetzter Neuronen im Gehirn tierisches Verhalten in seiner ganzen Bandbreite entsteht. Unsere Forschung ist interdisziplinär und findet auf verschiedensten Größenebenen statt.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Julia Schlee
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
+49-228-9656-138
julia.fischer@caesar.de

Material

Pressebilder

Freigegeben für die redaktionelle Berichterstattung unter Namens- und Quellennennung.(Fotograf: Sebastian Scherrer / Forschungszentrum caesar).

Fotos lassen sich in voller Auflösung via Rechtsklick / "Speichern unter..." lokal abspeichern.


Graumulle nehmen das Magnetfeld der Erde wahr. Diese nahezu blinde, unterirdisch lebende Spezies nutzt den exotischen Sinn, um sich in kilometerlangen Tunneln unterhalb der sambischen Savanne zurecht zu finden.


Der 3D-Druck eines Graumull-Gehirns.


Dr. Pascal Malkemper wurde für sein Projekt “NeuroMagMa” (“Neurobiology of Magnetic Orientation in Mammals”) mit einem „ERC Starting Grant“ ausgezeichnet.

Auch interessant:

newstype__news

28.07.2021

Neue Methode für schnelle 3D-Mikroskopie

keepreading

newstype__news

13.07.2021

Integration of sleep homeostasis and navigation in Drosophila

keepreading

newstype__news

05.07.2021

Reconstruction of the 3D beat pattern underlying swimming behaviors of sperm

keepreading